Manchmal ist die größte Form der Selbstfürsorge, bewusst auf etwas zu verzichten.
Vor einigen Jahren gehörte es für mich ganz selbstverständlich dazu: morgens oder auch auf der Arbeit die Radionachrichten, abends die Nachrichten im Fernsehen und zwischendurch ein Blick auf die neuesten Schlagzeilen im Internet. Ich wollte informiert sein. Ich wollte wissen, was in der Welt passiert. Doch irgendwann bemerkte ich, dass diese Informationen etwas mit mir machten. Fast täglich ging es um Kriege, Gewalt, Katastrophen, Krankheiten, politische Streitereien oder wirtschaftliche Krisen. Natürlich gehören diese Themen zur Realität. Doch wenn sie den größten Teil dessen ausmachen, was wir täglich aufnehmen, verändert das auch unsere innere Welt.
Ich stellte mir die Frage: Was bringt es mir, zu wissen, was vor sich geht, wenn ich es nicht ändern kann? Meine Antwort: Ich beginne vor meiner eigenen Haustür damit, die Welt ein bisschen besser zu machen...
Unser Gehirn merkt sich Negatives besonders gut
Aus psychologischer Sicht ist das sogar verständlich. Unser Gehirn besitzt einen sogenannten Negativitätsbias. Gefahren und schlechte Nachrichten werden stärker wahrgenommen als schöne Ereignisse. Früher war das überlebenswichtig. Wer Gefahren früh erkannte, hatte bessere Chancen zu überleben. Heute leben viele von uns jedoch nicht mehr ständig in unmittelbarer Lebensgefahr. Trotzdem wird unser Nervensystem täglich mit einer Flut negativer Meldungen konfrontiert.
Die Folge können sein:
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innere Unruhe
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Grübeln
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Hilflosigkeit
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Zukunftsängste
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schlechter Schlaf
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das Gefühl, dass die Welt nur noch aus Problemen besteht
Das Gefühl, helfen zu wollen – und doch nichts tun zu können
Besonders schwer fällt mir ein Gedanke: Ich sehe Leid. Ich fühle mit den Menschen oder Tieren. Aber ich kann oft nichts daran ändern. Dieses Gefühl der Ohnmacht kostet unglaublich viel Energie. Natürlich gibt es Situationen, in denen wir helfen können, durch Spenden, ehrenamtliches Engagement oder indem wir Menschen in unserem direkten Umfeld unterstützen. Doch die meisten weltweiten Ereignisse liegen außerhalb unseres Einflussbereiches. Wenn wir täglich stundenlang Nachrichten konsumieren, ohne eine Möglichkeit zum Handeln zu haben, bleibt häufig nur ein Gefühl der Hilflosigkeit zurück.
Was passiert, wenn wir weniger Nachrichten konsumieren?
Viele Menschen haben Angst, etwas Wichtiges zu verpassen. Meine Erfahrung ist jedoch eine andere. Die wirklich wichtigen Dinge erreichen mich trotzdem. Freunde und Familie erzählen davon. Bekannte sprechen darüber. Im Internet begegnen einem bedeutende Ereignisse ohnehin früher oder später. Ich muss dafür nicht jede Eilmeldung verfolgen. Stattdessen habe ich etwas gewonnen: Mehr Ruhe. Mehr Zeit. Mehr Energie. Mehr Platz für die schönen Dinge des Lebens. Und tatsächlich für ein lang anvisiertes Hobby. Kleine Anekdote: Eine Freundin fragte mich einmal, warum sie sich schon morgens so schlecht fühlte. Als ich nachhakte, konnte ich ihr die Frage beantworten, denn sie las schon am frühen Morgen all das Negative auf ihren verschiedenen Portalen. Stell es ab und du wirstdich besser fühlen...
Die Natur kennt keine Eilmeldungen
Wenn ich durch den Wald gehe, interessiert es die Bäume nicht, welche Schlagzeile gerade die Nachrichten bestimmt, ein Rotkehlchen singt trotzdem, ein Schmetterling landet auf einer Blüte, der Wind bewegt die Blätter, ein Bach fließt ruhig seinem Ziel entgegen. Die Natur erinnert mich daran, dass das Leben weit mehr ist als das, was in den Nachrichten erscheint. Sie zeigt mir täglich Schönheit, Hoffnung und Veränderung. Und da muss man auch kein schlechtes Gewissen haben. Statt mich über Tierquälerei zu ärgern, haben wir ein verwahrlostest Pferd, einen alten Hund und mehrere Katzen aufgenommen und gespendet. Statt über Brände zu sinieren, haben wir Bäume gepflanzt. Ich könnte ewig so weiter machen...
Informiert sein – aber bewusst
Ich möchte niemandem raten, Nachrichten komplett zu meiden. Es ist wichtig, über bedeutende Entwicklungen informiert zu bleiben. Nicht jede Schlagzeile verdient unsere Aufmerksamkeit und nicht jede Meldung muss unseren Tag bestimmen.
Doch ich glaube, dass wir selbst entscheiden dürfen...
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wann wir Nachrichten lesen, ob wir uns dem stellen möchten
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wie lange wir sie konsumieren
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welchen Quellen wir vertrauen
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und ob wir unserem Nervensystem zwischendurch bewusst Pausen gönnen
Meine Entscheidung
Heute verbringe ich die Zeit lieber draußen. Ich beobachte Tiere, entdecke und fotografiere Pflanzen. Ich arbeite mit Holz, ich lausche dem Wind. Ich höre den Vögeln zu oder führe Gespräche mit Menschen, die mir guttun. Das bedeutet nicht, die Augen vor der Welt zu verschließen. Es bedeutet, Verantwortung für meine eigene innere Welt zu übernehmen. Denn nur wenn es uns selbst gut geht, haben wir die Kraft, anderen zu helfen, Mitgefühl zu zeigen und dort etwas zu verändern, wo wir tatsächlich Einfluss haben. Vielleicht brauchen wir nicht mehr Nachrichten. Vielleicht brauchen wir mehr Natur, mehr Stille, mehr echtes Leben. Und vielleicht beginnt genau dort der Weg zurück zu uns selbst.
Eine kleine Einladung
Nimm dir heute bewusst eine Stunde Zeit, ganz ohne Nachrichten, Radio oder soziale Medien. Gehe stattdessen in den Wald, an einen See oder einfach in den nächsten Park. Höre den Vögeln zu, beobachte die Wolken, spüre den Wind auf deiner Haut. Vielleicht stellst du fest, dass die Welt nicht nur aus schlechten Nachrichten besteht, sondern auch aus unzähligen kleinen Momenten voller Leben, Schönheit und Hoffnung. Und die kannst du nur sehen, wenn du die Zeit dafür findest, dich ihnen zu öffnen...
Wie ist es mit dir? Lässt du dich vom alltäglichen Horror beeinflussen oder lassen dich die ganzen Horronachrichten einfach kalt? Magst du uns davon berichten?
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